Prof. Dr. Helen Geyer - Bundesverdienstkreuz 2015 - Humboldt-Gesellschaft für Wissenschaft, Kunst und Bildung e.V.

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Prof. Dr. Helen Geyer - Bundesverdienstkreuz 2015


Unser Mitglied Prof. Dr. Helen Geyer bekommt das Bundesverdienstkreuz.

Hiermit möchten wir bekannt geben, dass Frau Prof. Dr. Helen Geyer, seit 1995 Professorin für Musikwissenschaft, Musik der Spätrenaissance/des Barock/der Klassik an der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar, Institut für Musikwissenschaft Weimar-Jena, das Bundesverdienstkreuz verliehen wurde. Die Unterschrift des Staatspräsidenten Gauck erfolgte am 20. April; die Verleihung fand am 29.9. 2015 in der Thüringer Staatskanzlei in Erfurt statt.

Der Präsident der Humboldt-Gesellschaft, Prof. Dr. Peter Nenniger, gatulierte Frau Prof. Dr. Geyer, Mitglied seit 1999, und beglückwünschte sie, dass die viele Mühen und noch mehr Arbeit damit gebührend anerkannt werden. Der Vorstand der Gesellschaft schließt sich diesen Glückwünschen an.

Frau Prof. Dr. Geyer, die freundlicherweise die Informationen zu diesem Artikel zur Verfügung stellte, kommentiert: "Ich erachte es für eine hohe Ehre, und nicht zuletzt böte sich die Gelegenheit, auf die Bedeutung der musikgeschichtlichen dichten Tradition unseres Landes und der wichtigen Verbindungen in das europäische Netzwerk einst und heute hinzuweisen; selbstverständlich auch bzgl. der Polenaktivitäten."

Das
Bundesverdienstkreuz wurde Frau Prof. Dr. Helen Geyer verliehen auf Grund der Forschung und Förderung sowie der Bewahrung der Schätze des musikalischen (kulturellen) Erbes in Thüringen und Mitteldeutschland (Gründung der Academia Musicalis Thuringiae 1998 mit Festival Güldener Herbst (seit 1999), „Ausgrabungen“ bedeutender Kompositionen und Vorbereitung für Einspielungen, Publikationen, etc.; außerdem aufgrund folgender ehrenamtlicher Tätigkeiten in verantwortungsvoller Position. Abgesehen von den weitreichenden internationalen Kontakten (USA, Italien, Polen, Israel, Frankreich, Great Britain) seien hier nur die wichtigsten Aktivitäten genannt:




Prof. Dr. Helen Geyer

  • Mitteldeutsche Barockmusik (Präsidium)

  • Cherubini-Gesellschaft und Edition (Krakau/Polen): Initiatorin, Gründung, Vorsitzende

  • Deutsches Studienzentrum Venedig (wissenschaftlicher Beirat und Vizepräsidentin; hohe Verantwortung, v.a. Verdienst um den Fortbestand der wiss. Einrichtung)

  • Louis Spohr Gesellschaft (einst Präsidium)

  • Landesmusikrat (u.a. Mitwirkung im Präsidium).

29. Jan. 2015 Helen Geyer who comes from University of Weimar–Jena is giving a lectrue about “Melting Pot Central Germany: Processes of Transfer from Italy, Reception, and Special Phenomena from the Sixteenth to the Early-Eighteenth Century” at Indiana University Jacobs School of Music (Bloomington, IN 47405). Article by Alyson Malinger, Photo: Wensi Wang.
 
 

Indiana Daily Student 29. Jan. 2015: Helen Geyer who comes from University of Weimar–Jena is giving a lectrue about “Melting Pot Central Germany: Processes of Transfer from Italy, Reception, and Special Phenomena from the Sixteenth to the Early-Eighteenth Century” at Indiana University Jacobs School of Music (Bloomington, IN 47405). Article by Alyson Malinger, Photo: Wensi Wang.

Zu den einzelnen Punkten:

Mitteldeutsche/thüringische Musikkultur

Thüringens Archive bergen ungemeine Schätze, europäischer Provenienz, des 17. und 18. Jahrhunderts. Diese Schätze wurden teilweise studiert während der Jahre der DDR, weniger jedoch jene Musikalien, die aus dem europäischen Ausland in Thüringen anlandeten.
Als ich im Jahr 1995 meine Professur in Weimar antrat, eröffnete sich mir der Auftrag eine sog. Szene Alter Musik aufzubauen. Dies geschah zum einen durch den unmittelbaren Eintritt in den Landesmusikrat (LMR) und Übernahme der Verpflichtungen im Präsidium, wie zum anderen durch das Mitwirken einer Arbeitsgruppe für Alte Musik und vor allem durch die Gründung der Academia Musicalis Thuringiae gemeinsam mit den damaligen Direktoren des Bachhauses (Dr. Oefner) und des Schützhauses (Dr. Stein), dem Präsidenten des LMR (Prof. Dr. Lange) und dem Ministerialrat Dr. W. Müller. Die Gründung der Academia Musicalis Thuringiae lehnte sich an die Vorbilder der Accademie Italiens des 17. und 18. Jahrhunderts an: Diskussions- und Erprobungsrunden für Neues, für überzeugende Darbietungen und Wiederentdeckungen der musikalischen Schätze dieses an Residenzen reichen Landes, das zudem noch ungeahnte Archive birgt: der Adjuvantenmusik, also der hochkarätigen Musik auf den Dörfern, welche mittlerweile in unserem Thüringischen Landesmusikarchiv aufbewahrt werden (bzw. noch gesammelt).
Dies ist zweifelsohne alles in den vergangenen knapp 20 Jahren geglückt und Vieles der Schätze konnte gerettet und der Öffentlichkeit klingend präsentiert werden.
Dazu gehörte nicht nur die Kreation des mittlerweile zweitbedeutendsten Festivals der Alten Musik Güldener Herbst, sondern auch der Aufbau eines Jungen Podiums, der Kinder- und Gesprächskonzerte, der Integration der kleineren Städte und Gemeinden, nicht zuletzt aufgrund des Zweiges der Adjuvantenmusiktage, die allerdings von Dr. Oefner maßgeblich im Rahmen der Academia Musicalis Thuringiae betrieben und geleitet werden.
Dies bedeutet ein hohes persönliches Engagement, in welches auch die Studierenden integriert sind und ein sehr hohes persönliches Haftungsrisiko (pro Festival steht ein 6-stelliger Betrag als Haftungssumme an).


Mitteldeutsche Barockmusik

Unmittelbar nach der Wende hat sich als Leuchtturmprojekt die Mitteldeutsche Barockmusik (MBM) gegründet, die sich zum Ziel gesetzt hatte, das vielseitige und europäisch gewichtete kulturelle musikalische Erbe Mitteldeutschlands zu bewahren und als Identifikationsgröße vermehrt im Bewußtsein der Öffentlichkeit des In- und Auslandes zu verankern. Immerhin flossen in diesem geographischen Raum die unterschiedlichsten Traditionen aus Ost und West, Nord und Süd zusammen und erzeugten einen exemplarisch hochgeschätzten Stil herausragender Qualität, wie überhaupt die Akkumulation der Höfe auf sehr engem Raum, jeweils ausgestattet mit einer potenten Hofkapelle einen hohen Leistungsstandart hervorbrachte, der Maßstäbe setzte. Seit vielen Jahren bin ich bei MBM maßgeblich engagiert, habe meine Präsidiumstätigkeit allerdings während der jüngsten Direktion des Instituts für Musikwissenschaft aufgegeben, wirke aber stets ideengebend mit.


Louis Spohr-Gesellschaft (Kassel)

Für viele Jahre habe ich ideengebend und engagiert mitgewirkt, zumal in den diffizilen Jahren des Übergangs nach dem Tod des langjährigen Vorstandes Herrn Herfried Homburgs; dies geschah im Rahmen des Präsidiums.


Cherubini und Polenkontakte

1983 begann ich kontinuierliche Kontakte nach Polen zu knüpfen, übernahm die erste Gastprofessur (DAAD) am Institut für Musikwissenschaft der Adam Mickiewicz Universität in Posen zu Zeiten der Wende und rief über eine Arbeitsgruppe am Institut für die Wissenschaften vom Menschen (Institute for Human Sciences (Wien), Feodor Lynen Stipendiaten) eine Arbeitsgruppe des Austausches über den damaligen „eisernen Vorhang“ hinweg ins Leben, zum anderen gründete ich die die Cherubini-Edition, Jahre später die Cherubini Gesellschaft (immer noch von mir geleitet). Die Edition wird vom weltgrößten Musikverlag: Boosey & Hawkes / Bote & Bock und Benjamin/Simrock vertrieben; zudem gibt es die von mir ins Leben gerufenen Publikationsorgane: Cherubini Studies und Cherubiniana.  wird. Es gelang immer wieder einen kontinuierlichen Austausch mit der Akademie der Wissenschaften in Warschau zu pflegen, wie mit den Universitäten Posen und Krakau. Jüngstens Zeugnis war die wirklich beeindruckende Ausstellung der Autographe Cherubinis (Nov. 2014 in Krakau), Bestand: preußischer Kulturbesitz Berlin/Auslagerung 2. Weltkrieg, mit Katalog, Festvorträgen, Workshop und Konzerten, woran auch Studierende unseres Institutes, wie des Institutes für Musikwissenschaften der Jagiellonischen Universität teilnahmen. Dies war für mein persönliches Dafürhalten das bislang Beste, was ich auf diesem Gebiet leisten konnte. - Der Zuspruch war enorm, und m.E. wurde hierdurch ein deutliches Zeichen kulturellen Verständnisses gesetzt.


Deutsches Studienzentrum Venedig (DSZV)

Das mittlerweile seit über 40 Jahren hervorragende wissenschaftliche Arbeit leistende Deutsche Studienzentrum in Venedig – ein interdisziplinäres Forschungsinstitut, mit teils hochkarätigstem Output, spezialisiert auf Italien- Oberitalien und die Venedigforschung unterschiedlichster Disziplinen, das sehr viele ausgezeichnete ausgewiesene Alumni hervorgebracht hat (und dem ich wichtige Förderungen meiner Karriere verdanke) stand 2004 mehr oder minder vor dem Abgrund der Auflösung. Im Bewußtsein der Tatsache, welche Möglichkeiten ich dieser Forschungseinrichtung verdanke und angesichts meiner venezianischen Forschungsausrichtung war ich maßgeblich an der Rettung dieser Einrichtung aktiv (auch pekuniär) und mit einem hohen Zeitaufwand beteiligt. Seitdem habe ich an vorderster Front Verantwortung übernommen, seit einigen Jahren als Vizepräsidentin und Mediatorin ob meiner venezianischen Verbindungen.



Übrigens:

Die Ehrung findet auf humboldt-dachroedenschen geschichtsträchtigen Boden statt: Die Koadjutur, die heutige Thüringer Staatskanzlei in Erfurt, schräg gegenüber dem Dacheröden-Haus, besuchte Karoline von Dachroeden, spätere Ehefrau von Wilhelm von Humboldt, in ihrer Jugend fast täglich und bekam dort von Karl Theodor von Dalberg viele Anregungen in Malerei, Musik und Literatur. Und Dalberg war es auch, der Wilhelm von Humboldt antrieb, seine Schrift über die Grenzen der Wirksamkeit des Staates fertig zu stellen und diskutierte auf diesem Weg viele Themen dieser Schrift mit ihm. Viele Gedanken dieser für die Entstehung unseres freiheitlich demokratischen Staates so wichtigen Schrift sind vielleicht erst in dieser Diskussion entstanden.


 

 

 
http://www.besucherzaehler-homepage.de/
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