Laudatio für Wildor Hollmann am 27.04.2008 in Eisenach - Humboldt-Gesellschaft für Wissenschaft, Kunst und Bildung e.V.

Suchen
Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Laudatio für Wildor Hollmann am 27.04.2008 in Eisenach

Textsammlung > Laudationes

Laudatio zur Verleihung der goldenen Medaille an Prof. mult. Dr. med. Dr. h. c. mult. Wildor Hollmann

Wildor Hollmann              .

zurück
Die Humboldt-Gesellschaft überreicht auf ihrer 87. Tagung am 27. April 2008 in Eisenach die Goldene Medaille als ihre höchste Auszeichnung.

Sehr geehrter, lieber Herr Professor Hollmann!

Für Sie anlässlich einer hohen Ehrung eine Laudatio zu halten, ist für den jeweils hiermit Beauftragten eine besondere Ehre. Es ist aber auch eine etwas schwierige Aufgabe deshalb, weil es eines gewissen Gespürs bedarf, um aus der Fülle der klinischen, wissenschaftlichen und repräsentativen Lebensleistungen und der hiermit verbundenen Häufung von Ehrungen eine verbale Gewichtung des Erwähnens zu finden.

Diese Laudatio ist aber nicht nur Ehre und Schwierigkeit zugleich, sondern für mich eine persönliche Freude. Anfang der 50iger Jahre kam ich als junger Assistenzarzt nach Köln, um dort hospitierend die damals neue und hohe Kunst der Herz-Kreislaufmessungen sowie der Lungenfunktionsprüfung kennen zu lernen und zu uns an die Uni Gießen zu importieren. Professor Knipping und „ihr“ in Köln ward Weltspitze in diesen Techniken. Für mich waren diese Funktionsmessungen nur Teil der neuen klinischen Medizin, – für Sie aber darüber hinaus Ausgangspunkt einer von Ihnen nun dort in Köln entwickelten Technik der Ergometrie, die sodann ihren Siegeszug in die Welt antrat. Ich hätte mir nicht träumen lassen, dass ich 50 Jahre später in größter Hochachtung und Bewunderung Ihr Lebenswerk hier in der Humboldt-Gesellschaft darstellen darf.

In diesem Jahr 2008 werden es genau 40 Jahre, dass Sie der Humboldt-Gesellschaft als Mitglied angehören und seitdem sind Sie auch Mitglied des Akademischen Rates. In diesen 4 Jahrzehnten haben Sie uns durch exzellente Vorträge an Sachthemen Ihrer Forschungsgebiete teilhaben lassen. Sie standen dem Akademischen Rat immer mit Rat und Tat zur Seite. Sie waren nicht nur ein aktives und mit-prägendes Mitglied unserer Gesellschaft, – sondern Sie verkörperten gleichsam den Geist der Brüder Humboldt in jeweils auch zweifacher Weise: Wie Alexander waren Sie ebenfalls naturwissenschaftlich hoch-begabt, vielfältig-kreativ, stets kritisch-hinterfragend, und weltweit tätig. Gleichzeitig waren aber auch Ihre Vorträge, Publikationen und Bücher in einer sprachlichen Brillanz angefertigt, so, als ob der geniale Sprachforscher Wilhelm von Humboldt stets Ihre Gedanken und Ihre Hand geführt hätte. So verkörpern Sie nicht nur in zeitlicher Treue, sondern auch in Ihrem Lebenswerk den echten Humboldt’ianischen Geist. Wir dürfen wahrlich stolz auf Sie sein!

Damals in den ersten 50iger Jahren galt die Universität Köln, wie bereits erwähnt, als weltweit führendes Zentrum für Herz-Kreislaufuntersuchung sowie Lungenfunktionsmessung. Hier konnten Sie 1954 die erste Fahrrad-Ergometrie entwickeln, die bereits im folgenden Jahr durch optische und akustische Registrierung bei dosierter Belastung das klinische Untersuchungs-Spektrum entscheidend prägte. Diese halbautomatische Messapparatur war auf der 1. Weltausstellung für Medizintechnik 1960 in New York das erste Gerät in der Welt überhaupt. Hier nun kamen in den folgenden Jahren durch Sie und Ihr Team weitere medizintechnische Entwicklungen hinzu, wie programmierte Untersuchungsprogramme unter dosierter Belastung des Organismus, die Entwicklung des Hypoxie-Trainings (auch als Höhentraining bekannt geworden), die sodann auch zur Erforschung des Hyperoxytrainings im Labor führte, wovon Manfred von Ardenne seine Sauerstoff-Therapie bei Krebskrankheit ableitete, wie auch die Einführung spezifischer Beanspruchungsformen für Trainingszwecke in der Sportmedizin. Diese von Ihnen eingeleiteten und weltweit übernommenen Messtechniken führen in den Jahren 1972 – 1974 zur Entwicklung des ersten computerisierten und vollelektronisierten Ergometriegerätes. Diese Ihre 20-jährige Grundlagenforschung und klinische Anwendbarkeit hat sich in den nun folgenden 30 Jahren bis heute zwar hoch-technisiert weiterentwickelt, - im Prinzip jedoch waren Änderungen nicht erforderlich geworden, alle Grundfragen hatten Hollmann und seine Schule gelöst.

Seit etwa 1985 griffen Sie ein neues Forschungsgebiet auf, das bis dahin eher ein unbeachtetes, theoretisiertes Dasein führte, nämlich die Beeinflussung der Hirntätigkeit durch dosierte körperliche Belastung. Diese Forschungsrichtung wurde eher als ein Tätigkeitsfeld für „spinnerte Wissenschaftler“ betrachtet, …. bis Sie exakt nachweisen konnten (in Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut Köln), dass tatsächlich unter dosierter Belastung, jeweils hiervon abhängig, verschieden starke Änderungen der regionalen Hirndurchblutung feststellbar waren. Dies gab der Hirnforschung gewaltigen Auftrieb. Sodann konnten Sie seit 1991 weiterhin nachweisen (in Zusammenarbeit mit dem Forschungszentrum Jülich), dass unter dosierter Belastung des Organismus sogar auch regionale biochemische Gehirnstoffwechselprozesse unterschiedlichster Art aktiviert werden. Diesen faszinierenden Einblicken in die nun auch messbaren Zusammenhänge zwischen Körper und Hirn (das heißt: zwischen Körper, Seele und Geist) sind Sie bis zur Stunde aktiv-forschend treu geblieben. Dieses Ihr vorbildliches Beispiel beweist, dass ein Mensch zwar aus gesetzlichen Gründen pensioniert werden kann, dass jedoch sein weiterhin forschendes Hirn keine Emeritierung kennt. Auch dieses zeigt, dass Sie, wie es die Brüder Humboldt vorlebten, eine echte, lebenslang-forschende „Humboldt’ianische Persönlichkeit“ geblieben sind.

Ihre wissenschaftlichen Leistungen sind in über 800 Publikationen in in- und ausländischen Zeitschriften veröffentlicht, eine Zahl, vor der man nur bewundernde Sprachlosigkeit empfindet. Diese Präsenz im Weltschrifttum wird zusätzlich noch durch die kaum fassbare Zahl von 32 Büchern erweitert.

Ihre bahnbrechenden Leistungen im Bereich der körperlichen Ruhe- und Belastungswerte von Herz, Kreislauf und Lunge und unermüdliche Initiative führten bereits 1958 zur Gründung des Instituts für Kreislaufforschung und Sportmedizin, die sogenannte Deutsche Sporthochschule, in Zusammenarbeit mit der Medizinischen Universitätsklinik Köln. Ihr rastloser Einsatz wurde 1969 mit der Anerkennung dieser Deutschen Sporthochschule als selbstständige Sportuniversität belohnt. Aus diesem weltbekannten Institut bzw. nunmehr Sportuniversität gingen inzwischen mehr als 18 Habilitationen hervor, 15 Professuren und 11 Lehrstuhlbesetzungen. An diesem Ihrem Lebenswerk von einmalig nationaler und internationaler Bedeutung waren Sie nicht nur als Direktor, sondern auch mehrere Jahre als Prorektor und Rektor tätig.

Auch der Fachbereich Sportmedizin ist eng mit Ihrem Namen verbunden. Das ehrt nicht nur, das verpflichtete aber auch. Stets folgten ehrenvolle, dennoch belastende Verpflichtungen eine nach der anderen: Sie waren 14 Jahre Präsident des Deutschen Sportärztebundes (Ehrenpräsident seit 1998), Sie waren 8 Jahre Präsident des Weltverbandes für Sportmedizin (Ehrenpräsident seit 1994) und Sie waren 3 Jahre Präsident der Deutschen Olympischen Gesellschaft. Hinzu kamen noch Mitgliedschaften in Wissenschaftlichen Beiräten des Verteidigungsministeriums, der Bundesärztekammer, der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, einer Beratungskommissionen in Japan und in Finnland, Chefredakteur der „Deutschen Zeitschrift für Sportmedizin“ u. a. m. Aber auch als internistischer Betreuer der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft waren Sie 20 Jahre mit Freude und Begeisterung tätig, wie auch als Betreuer der Deutschen Golf-Nationalmannschaft und der Deutschen Hockey-Nationalmannschaft.

Diese geradezu unheimliche Palette an klinischen, wissenschaftlichen und berufspolitischen Tätigkeiten brachten Herrn Professor Hollmann eine Fülle von Ehrungen weltweit ein:
Neben seinen 2 offiziellen Professuren an der Universität Köln und der Sportuniversität Köln ist er Ehrenprofessor an der Universität Thessaloniki. Er ist Ehrendoktor der Universität Brüssel und der Universität Thessaloniki. Er ist Ehrenbürger der Deutschen Sporthochschule Köln und ist Ehrenbürger seines Wohnortes Brüggen am Niederrhein. Er ist Ehrenmitglied von 14 internationalen wissenschaftlichen Fachgesellschaften. Prof. Hollmann hat, soweit ich zusammenzählen konnte, mindestens 7 internationale Forschungspreise erhalten und mindestens 8 Goldmedaillen oder Ehrenmedaillen von Deutschen oder Internationalen Fachgesellschaften. Das Land Nordrhein-Westfalen ehrte ihn mit der Verleihung des „Verdienstordens“. Er wurde 2002 mit der Paracelsus-Medaille als höchste Auszeichnung der Deutschen Ärzteschaft geehrt. Eine Rarität ist (und dies beweist auch die große Würdigung seines Lebenswerkes durch die Bundesrepublik Deutschland), die Verleihung des „Schulterbandes zum Stern und Großen Bundesverdienstkreuz“, eine Ehrung, die extrem selten als höchste Stufe der staatlichen Ehrung verliehen wird.

Sie waren, lieber Herr Kollege Hollmann, nicht nur ein „Mediziner“ in Standespolitik und berufsspezifischen Bereichen, sondern Sie waren auch „Wissenschaftler“ von hohem internationalem Rang; Sie waren aber auch über Jahrzehnte ein begeisterter „Kliniker“. Sie waren aber auch, und dies gilt besonders betont und gewürdigt zu werden, immer ein „Arzt“, der vorbeugend und heilend seinen Patienten uneingeschränkt zur Seite stand. So wie es Paracelsus in seinem berühmten Wort sagt „Im Herzen wächst der Arzt“, – so endet dieses Wort von ihm mit der Aussage, wie sie gleichermaßen auch unsere Paracelsus-Medaille als Inschrift ziert: „Der höchste Grund aller Arzneien ist die Liebe“.
Die Humboldt-Gesellschaft würdigt in höchster Anerkennung nicht nur Ihr wissenschaftliches Lebenswerk, sondern auch Ihre Jahrzehntelange Humboldt’ianische Persönlichkeit. Sie sind ein leuchtendes Vorbild, – aber sicherlich nicht erreichbar. So dürfen wir als Humboldt-Gesellschaft stolz darauf sein, dass Sie zu uns gehören. Die heutige Ehrung möge ein würdiger Beweis unserer tiefempfundenen Dankbarkeit und Hochachtung sein.

E. Kuntz

 

 

 
http://www.besucherzaehler-homepage.de/
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü