Literatur-Wettbewerb "Karoline" - Bekanntmachung

Die Humboldt-Gesellschaft für Wissenschaft, Kunst und Bildung e.V. wurde im Jahre 1962 im Gedenken an Wilhelm und Alexander von Humboldt und ihr freies Geistesleben gegründet (Gründung der Humboldt-Gesellschaft).

54 Jahre später, 2016, wurde als Pilotprojekt die Regionalvertretung Mansfelder Land ins Leben gerufen. Die Region Mansfelder Land, und hier speziell die Stadt Hettstedt mit ihrem Ortsteil Burgörner, ist nicht nur im Kreise der Humboldtianer ein Ort, der fest mit den Namen der beiden Brüder verbunden ist. Ein kleines Schloss, ein Gymnasium, ein Straßenname. Überall wird man an das Wirken der beiden Brüder erinnert, hat doch der Ältere der beiden auch hier in eben jenem Schlösschen in Burgörner mit seiner Frau gelebt. Das Leben und Wirken der Brüder wird weltweit gefeiert. Doch neben Wilhelm und Alexander gab es eben auch noch diese Frau.


Karoline von Humboldt. Lithographie posthum um 1830 von Karl Wilhelm Wach

Die Brüder Humboldt lebten in einer Zeit in der es üblich war, dass sich die Frauen über ihre Ehemänner identifizierten. Da war man Frau Doktor, Frau Staatssekretär, Frau Hofmeister. Nicht so aber die Ehefrau von Wilhelm von Humboldt. Sie war Karoline von Humboldt. Sie wurde als Adlige von Dachröden geboren, genoss daher von Klein auf gewisse Privilegien, die einfachen Frauen aus dem Volk verwehrt waren. Und sie heiratete einen Adligen, mit dem sie eine Familie gründete. Karoline war eine sehr gebildete, kluge und mutige Frau. Heute würde man vielleicht sagen, sie war eine Feministin.

Als Freidenkerin erzogen und von ihrem Ehemann dazu ermutigt, führte Karoline, selbst für eine Adlige, ein durchaus ungewöhnliches Leben. Sie reiste nicht nur gern. Selbst als verheiratete Frau verbrachte sie immer wieder geraume Zeit allein oder nur mit ihren Kindern im In- und Ausland. Karoline pflegte Kontakte zu Schriftstellern, Staatsmännern und Künstlern. In literarischen oder kulturellen Salons lernte sie u.a. Schiller und Goethe kennen und diskutierte Schriften von Voltaire.

Heute ist bekannt, was lange niemand wahrgenommen hatte. Sie war eine anerkannte Kunstkritikerin. Ihre Studien über Werke und Künstler waren sehr gefragt. Und sie schrieb auch. Allein der Briefwechsel zwischen ihr und ihrem Ehemann umfasst mehrere Bände. Die Korrespondenzen von Karoline zeugen von umfangreichen Kenntnissen und geselligen Talenten. Sie war eine sehr gebildete Frau, die mehrere Sprachen in Wort und Schrift beherrschte. Karoline war eine gesellschaftlich hoch anerkannte und geachtete Persönlichkeit. Das Wissen um ihr Engagement war jedoch leider im Laufe der Zeit in den übermächtigen Schatten ihres Mannes und ihres Schwagers vernachlässigt worden.

Anlehnend an dieses Erbe sieht sich die Regionalvertretung Mansfelder Land verpflichtet, diese Hinterlassenschaften zu ehren und zu pflegen. Wie Karoline einst, so gibt es auch heute viele Talente, die kaum bis gar keine Beachtung finden. Einem (selbst) geschriebenen Werk eine Stimme zu verleihen, ist eine gute Möglichkeit, aus dem Schatten von großen Berühmtheiten herauszutreten.

Die Regionalvertretung Mansfelder Land möchte daher neuen Autoren die Möglichkeit geben, ihr Werk einem Publikum und einer bewertenden Jury zu präsentieren und zu prämieren. Im Gedenken an diese große Frau ihrer Zeit, soll diese Prämie ihren Namen tragen: Karoline.

In unserem Landkreis Mansfeld-Südharz gibt es viele Autoren von Geschichten, die vielleicht außer dem eigenen Familien- und Freundeskreis kein Publikum finden. Diese Autoren suchen wir. Wir möchten diese Schriftsteller auffordern, sich im kommenden Jahr zu beteiligen und ihrem eigenen Werk eine Stimme verleihen, um es einem breiten und vor allem neuen Publikum zu präsentieren.

Die Regionalvertretung Mansfelder Land möchte in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Gottfried-August-Bürger, dem Kultur- und Bibliotheksverein Sandersleben (Anh.) e.v., der Novalis-Gesellschaft in Oberwiederstedt und der Stiftung Luther-Gedenkstätten in Sachsen-Anhalt mit dem Museum „Luthers Elternhaus“ in Mansfeld diesen Autoren eine Plattform zur Vorstellung ihrer eigenen Werke geben und ihnen die Möglichkeit anbieten, sie einem breiteren Zuhörerkreis bekanntzugeben.

In jedem Jahr wird es ein Thema geben, in welchem die eingereichten Geschichten angesiedelt sein sollten. 2019 wird sowohl für die Humboldt-Gesellschaft, als auch für die Regionalvertretung Mansfelder Land, das sogenannte Alexander-Jahr sein. Es wird in diesem Jahr der 250. Geburtstag des Reisenden und Forschers Alexander von Humboldt gefeiert. Aber auch seine Schwägerin Karoline ist sehr viel gereist. Aus diesem Grund wird der erste Literaturwettbewerb unter der Überschrift „Rund um die Welt“ stehen.

Jeder kann mitmachen, allerdings haben sich die Ideengeber auf einige Auswahlkriterien verständigt:

Voraussetzungen für eine Teilnahme ist ein Mindestalter von 18 Jahren.

Die Texte dürfen keinen rassistischen, geschlechterfeindlichen, pornografischen oder gewaltverherrlichenden Inhalt haben.

Zur Vorabauswahl ist es gewünscht, dass die Autorin oder der Autor ein aussagekräftiges Exposé ihrer Geschichte mit ungefähr 20 zusammenhängenden Seiten einreicht. Diese können aus einem bereits existierenden fertigen Text stammen. Alle Urheberrechte verbleiben beim Bewerber.

Die gesamte Geschichte sollte einen Umfang von mindestens 15.000 Wörter sowie einen gewissen geistreichen Inhalt haben, die dem Namen einer Karoline von Humboldt würdig ist. Somit schließen sich Lexika oder Sachbücher aus.

Der Endausscheid wird am 15.11.2019 auf Schloss Oberwiederstedt stattfinden. Die Prämierung erfolgt während des Neujahrsempfanges der Regionalvertretung Mansfelder Land. Die Termine für die einzelnen Lesungen werden in Absprache mit den Veranstaltungspartnern und den Bewerbern nach Einsendeschluss festgelegt und entsprechend bekanntgegeben.

Bewerbungen können bis 28. Februar 2019 eingesandt werden an:

Regionalvertretung Mansfelder Land der Humboldt-Gesellschaft
Rödgen 2
06343 Mansfeld, Ortsteil Großörner

oder als PDF an:

 

Mansfelder Zeitung vom 30.11.2018, Seite 9

Eine Plattform für Unbekannte

VON TINA EDLER
MANSFELD/MZ - Die Regionalvertretung Mansfelder Land der Humboldt-Gesellschaft startet jetzt einen Wettbewerb. In Andenken an Karoline von Humboldt, der Frau des berühmten Wilhelm von Humboldt, sind neue und noch unbekannte Autoren aufgefordert, ihre Werke einzureichen. „Es gibt in der Region ganz sicher Autoren, die bisher keine Möglichkeit hatten, ihre Werke einem Publikum außerhalb des Familien- und Freundeskreises zu präsentieren. Denen wollen wir eine Plattform geben“, verdeutlicht Dana Zimmer, Beiratsmitglied in der Regionalvertretung, den Gedanken des Wettbewerbs.

Da auch Karoline von Humboldt, die in ihrer Zeit eine gefragte Kunstkritikerin war, und ihr Engagement im Schatten ihres Mannes blieben, soll der Wettbewerb ihren Namen tragen, so Zimmer weiter. Außerdem gibt es ein Motto, um das sich die Stücke der Autoren drehen sollen: „Rund um die Welt“.

Einsendeschluss für die Werke ist der 28. Februar 2019. Aber erst dann startet der Wettbewerb so richtig. „Wir wollen auch, dass die Autoren ihre eigenen Stücke präsentieren. Deswegen werden wir verschiedene Lesungen in der Region durchführen“, sagt Zimmer. Dabei bekommt die Regionalvertretung Unterstützung: Der Förderverein Gottfried August Bürger, der Kultur- und Bibliotheksverein Sandersleben, die Novalis- Gesellschaft Oberwiederstedt und die Luther-Gedenkstätten mit dem Museum „Luthers Elternhaus“ in Mansfeld sind mit im Boot und richten die Lesungen in ihren Einrichtungen mit aus. Am Ende wird eine Jury den besten Schriftsteller samt Werk auszeichnen. Neben einer Urkunde und einer getöpferten Figur, die Karoline von Humboldt darstellt, soll es auch ein Preisgeld geben, damit der Autor dann sein Werk veröffentlichen kann, so Zimmer.